26.12.2021/Tsch

Taxonomieprojekt


Eine Arbeitsgruppe des Forschungsbereichs "Experimentelle Psychologie" und der "Abteilung für Psychotherapie" der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Bern, befasste sich seit 2010 im Rahmen des Taxonomieprojekts mit Fragen der spezifischen und allgemeinen Wirkfaktoren von Psychotherapie (3.). Auf der Basis mehrerer empirischer Studien (einer Expertenumfrage (9.), Beobachtungsstudien von Kohorten in verschiedenen psychotherapeutischen Settings (1.;2.)) entwickelten wir ein Modell einer Hierarchie von Interventionen (6., Kap. 3), die die Wirkung von Psychotherapie abbilden: spezifische Faktoren (also Therapietechniken) aktivieren allgemeine Wirkfaktoren (common factors), die wiederum zu globalen Wirkfaktoren zusammengefasst werden können (4.).

Hier stellen wir nun drei Fragebögen zur Verfügung, mit denen solche Interventionen in der therapeutischen Praxis quantifiziert werden können:

Therapietechnikbogen TTB-2.0
wird durch Therapeuten am Ende einer Therapiesitzung ausgefüllt. Der TTB-2.0 enthält 40 Items, die Therapietechniken und Interventionen unterschiedlicher Therapierichtungen betreffen. Abgefragt wird, wie stark diese Techniken in der Sitzung eingesetzt wurden.

Patientensitzungsbogen PSB-2.2 mit Gruppen-Items
wird durch Patienten am Ende einer Therapiesitzung ausgefüllt. Der PSB-2.0 enthält 26 Items, die allgemeine Wirkfaktoren ("Common factors") messen. Die Wirkfaktoren und globalen (sekundären) Wirkfaktoren sind beschrieben in diesem Memo. Items 27 bis 34 betreffen gegebenenfalls Wirkfaktoren im gruppentherapeutischen Setting.

Wochenerfahrungsbogen WEB-5.3
wird durch Patienten am Ende einer Behandlungswoche ausgefüllt, und enthält dieselben Wirkfaktoren-Items wie der PSB-2.2 mit der Möglichkeit, zwischen verschiedenen Therapiepersonen (Arzt, Psychologe, Pfleger, Sozialarbeiter) und Gruppenangeboten zu differenzieren. Der WEB-5.3 ist einsetzbar in stationären oder teilstationären Therapiesettings und enthält Wirkfaktoren-Items sowie Gruppen-Items nach Yalom. Alle Items sind beschrieben in diesem Memo.


Literatur:
  1. Brintzinger M, Tschacher W, Endtner K, Bachmann K, Reicherts M, Znoj H, & Pfammatter M (online 2021). Patients’ style of emotional processing moderates the impact of common factors in psychotherapy. Psychotherapy. doi:10.1037/pst0000370
  2. Meier D, Tschacher W, Moggi F, Frommer A, Küttel L & Pfammatter M (online 2021). Allgemeine Wirkfaktoren der Psychotherapie empirisch konzeptualisieren: Die Faktorenstruktur des Wochenerfahrungsbogens (WEB). Psychiatrische Praxis, 48. doi:10.1055/a-1673-3867
  3. Pfammatter M & Tschacher W (2012). Wirkfaktoren der Psychotherapie – eine Übersicht und Standortbestimmung. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 60, 67-76.
  4. Pfammatter M & Tschacher W (2016). Klassen allgemeiner Wirkfaktoren der Psychotherapie und ihr Zusammenhang mit Therapietechniken. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 45, 1-13.
  5. Pfammatter M, Junghan U & Tschacher W (2012). Allgemeine Wirkfaktoren der Psychotherapie: Konzepte, Widersprüche und eine Synthese. Psychotherapie in Psychiatrie, Psychotherapeutischer Medizin und Klinischer Psychologie, 17, 17-31.
  6. Tschacher W & Haken H (2019). The process of psychotherapy: Causation and chance. Cham: Springer Nature.
  7. Tschacher W & Pfammatter M (2016). Embodiment in psychotherapy – A necessary complement to the canon of common factors? European Psychotherapy, 13, 9-25.
  8. Tschacher W & Pfammatter M (2017). Common Factors in Psychotherapy. In Wetzel A (ed). The SAGE Encyclopedia of Abnormal and Clinical Psychology (p. 775-779). Thousand Oaks, SAGE Publications. doi:10.4135/9781483365817.n298
  9. Tschacher W, Junghan U & Pfammatter M (2014). Towards a taxonomy of common factors in psychotherapy – Results of an expert survey. Clinical Psychology & Psychotherapy, 21, 82-96. doi:10.1002/cpp.1822